Coronatheater

Theater und Oper – das ist ja wahre Hochkultur.

Es ist ein bisschen wie mit der Kutsche von Linz nach Wien fahren. Hat man früher gemusst (wenn man von Linz nach Wien wollte), macht man heute eigentlich nicht mehr und wenn dann als reinen Luxus.

Theater spielen ist nicht nur etwas für hysterische Frauen, nein heutzutage gibt es tausende, professionelle Theaterspieler, die in besonders hübschen Häusern, mit besonders vielen zumeinst äußerst unbequemen Stühlen, Abend für Abend aufsagen, was sie sich eingelernt haben.

Dazu braucht man nicht nur das hübsche Haus, die Aufsager und das Publikum, man braucht auch Beleuchter und Garderobenmänner und Regisseure und Inszenierer und Bühnenbildmaler und Kostümmacher und Schminker und Friseure und Einsager und Saubermacher, Kartenausgeber und Kartenabreisser, Platzanweiser und Pausengetränkservierer, Glockenläuter und Brotemacher, Flaschenöffner und Gläserträger, vermutlich kommt auf einen Publikum auch ein Dienstmensch.

Jetzt ist das alles nix mehr, die Textaufsager und alles was um sie herum notwendig ist, alles nix mehr, die schönen Häuser sind verwaist und es fehlt. Dem Publikum, das in der Pandemie vor Langeweile zu Hause vergeht, weil es sich nicht mehr gepflegt besaufen und sich dabei auch noch kunstsinnig geben kann , fehlt das alles mindestens genau so wie den Textaufsagern, die jetzt niemanden mehr haben, der sie fürs Textaufsagen bezahlt. Schrecklich.

Ebensoschlimm trifft es die, die nicht nur aufsagen, sondern das aufgesagte singen. Opernsänger, Operettensänger, Musicalsänger und sonstige Barden, einfach arbeitslos, gratis wollen sie nicht singen und zahen kann man grad nicht, weil ja die hübschen Häuser zu sind.

Wieso findet es eigentlich niemand seltsam, dass man sich – bis auf wenige Ausnahmen – die immergleichen, alten Stücke, die oft schon ein paar hundert Jahre auf dem Buckel haben, mit immer neuen Aufsagern und Vorsängern anhören will. Wieso wird in Salzburg zum hundertsten Mal Jedermann gespielt, das schon wirklich jeder kennt. Was erwartet man sich vom Live-Spetakel, dass einer von der Bühne fällt, alles in Flammen aufgeht oder eine Boeing auf die Bühne fällt. Will man sehen, wie einer seinen aufzusagenden Text vergisst oder warum sonst setzt man sich für teures Geld mitten in eine schwitzenden Gruppe von Luxustouristen, die mangels Sprachkenntnis sowieso nur die schlechte Sicht auf die weit entfernten Aufsager mitkriegen.

Ja es ist wie Kutsche fahren, statt das Auto oder den Zug oder das Flugzeug zu nehmen. Ein wenig altertümlich, aber vielleicht gerade deswegen so hochkulturell. So einfach könnte man daraus einen Film machen, den sich dann alle ansehen können, ordentlich beleuchtet, in alle Sprachen übersetzt, Fehler rausgeschnitten, Großaufnahmen und Drohnenblicke, aber nein, Sänger und Aufsager plagen sich Abend für Abend mit immergleichen Liedern und Texten und das Publikum jubelt (hoffentlich) für teures Geld und hofft dabei von den richtigen Leuten auch gesehen zu werden.

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