Coronasaufen

Wo haben sie denn getrunken, die die sonst in Bars und Wirtshäusern, Restaurants und Hotels und Würschtelständen trinken?

Jetzt endlich ist wieder offen. Der Heurige, die Spelunke, der Tankstellenschnelltrinkstopp.

Hat man sich dabei ertappt, wie man kistenweise Alkohol nach Hause getragen hat? Von einem möglichst weit von zu Hause entfernten, systemrelevanten Supermarkt. Und ist einem dabei selbst aufgefallen was man sonst als „ich treff doch nur Freunde“ abgetan hat. Ist einem aufgefallen, dass man längst schon Alkoholiker ist. Und kann dieses Auffallen jetzt einem wieder normalen „Freunde treffen“ weichen? Dann muss man sich ja keine Gedanken mehr machen, man ist einfach ein geselliger Mensch.

Österreich ist ganz weit vorne in der Alkoholverbrauchsstatistik. Selbst erprobte Säuferländer wie Italien oder Frankreich lassen wir weit hinter uns und saufen uns an die Spitze.

Sind wir uns mal ehrlich. Das war schon kein Vergnügen, den Alkohol so ganz alleine zu Hause, ohne Mittrinker, nur umgeben von niemandem oder der ganzen Familie, in sich hineinzuschütten. Da konnte man schon mal ärgerlich werden und die ganze Situation unerträglich bis zum Zuschlagen finden.

Aber Gott sei Dank ist jetzt alles wieder vorbei. Die Gastronomie macht wieder auf und während im Fernsehen immer von Restaurants die Rede ist und gutem Essen und livrierten Kellnern, spielt sich das wahre Leben an den Ecken ab, wo kleine inhabergeführte Spelunken (meist hat sich ein Obertrinker selbständig gemacht mit seinem Elend) jetzt freut, dass seine Kundschaft, seine Kumpanen wieder da sind um mit ihm seinen Lebensunterhalt zu ertrinken.

Schon grölt es wieder aus den Lokalen und am nächsten Morgen kann man auf den Gehsteigen sehen, was die Kundschaften zum Abendessen hatten.

Ja, es ist wichtig, dass da wieder aufgemacht wird. Systemrelevant sind sie wohl allemal. Bloss nicht drüber nachdenken, was wir uns da für eine Gesellschaft gemacht haben, wo das Leben offenbar nur betrunken auszuhalten ist.

Wurscht – weitersaufen!

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