Tirolorona

Eigentlich ist es ein kleines, unwirtliches Bundesland mit wehrschaften Bewohnern. Eigentlich ist damit auch nichts anzufangen, weil es fast nur aus Steinen besteht, die sich noch dazu zu 3000 Meter hohen Ungetümen aufgeschlichtet haben.

Aber es wären nicht die Tiroler, wenn sie sich diesen Nachteil nicht zum Nutzen gemacht hätten. Bergsport heisst das Rezept. Auf den Steinen wird geklettert, gewandert und vor allem geseilbahnt. Oben steht dann ein Kreuz (geschmückt natürlich), weil man ja ein heiliges Land ist, das es sich mit dem Herrgott nicht verscherzen will.

Bergab ist es dann noch lustiger. Da wird heruntergewedelt, geflogen, geradelt. Gestern noch Bergbauer, heute Hotelier oder Zimmervermieter oder Restaurantbetreiber oder Bergbahnenhaber oder Barbesitzer, aber am liebsten alles auf einmal.

Wie kein anderer Bundländler versteht der Tiroler es, sich und sein Land herauszuputzen. Geschmückt wird alles, Kühe, Balkone, Verkehrschilder, Busen, Hüte, Kirchen, was eben so herumsteht.

Tiroler machen sich allesamt zu Huren des Tourismus, bleiben dabei aber eingebildet und überheblich. Während sie vor den Gästen katzbuckeln, machen sie sich lustig über sie, verachten die, die das begehrte Geld ins heilige Land bringen und das mit Erfolg, zumindest für ein paar Ureinwohner.

Nun ist ihnen aber etwas passiert, den Tirolern. Sie haben allzu offensichtlich getan, was sie immer tun, aber leider sind die Kollateralschäden diesmal bei den Geldgebern, den Gästen, nicht ohne Folgen geblieben.

Corona – da hat man noch schnell umgebuchte Gäste aus Südtirol freudigst aufgenommen und in Kitzlöchern mit Gaudi versorgt, mit teuren Skipässen über die Hänge gejagt, und jetzt sind die Arschlöcher krank geworden.

Das wäre ja alles nicht schlimm, aber, und das ist das wirklich Schlimme, es ist aufgeflogen. Halb Westeuropa hat sich in Tirol mit Corona infiziert. Und auch wenn aufgeflogen ist, dass da wissentlich bekrankt wurde, Tirol hat alles richtig gemacht. Vom Landeshauptmann bis zum letzten Skiliftwart, alles weiss, hier wurde alles richtig gemacht. Ja, da haben sie auch recht, die Tiroler, bis zum letzten Gast wurde alles Geld genommen, das noch zu haben war, und darauf kommt es an!

In der Stunde, in der alles ans öffentliche Licht kam, setzten die Trioler Haber ihr geschmücktes und als TirolerInnen verkleidetes Personal auf die Strasse, kaum waren die letzten Urlauberbusse frei, mussten die Polen, Rumänen, Ungarn und die falschen Deutschen (die, die wegen Geldmangel in die Kategorie Sklaven fallen) innerhalb einer Stunde das Land verlassen, wenn sie das nicht schafften, konnten sie ja in den zahlreichen Höhlen der aufgestapelten Landschaft Unterschlupf finden.

Dann Quarantäne, nur kurz, während der zwei Wochen Quarantäne hörte man dann nichts mehr von den Bergbauernhoteliers. Aber auch nur, weil kein Fernsehteam in die Orte durfte.

Aber jetzt: Gejammer, die Millionäre wollen den Schaden den sie angerichtet haben gefälligst! ersetzt haben. Aber vor allem, sie wollen wieder aufsperren. Die Sommersaison soll wieder laufen, die Kitzlöcher warten und die Balkone, die Kühe, die Busen. Alles wird wieder geschmückt, jetzt sollen die gefälligst wieder kommen, für die man diesen Aufwand betreibt.

In zahllosen Interviews erklären sie, wie das schon geht. Hauptsache aufmachen, das Geschäft muss weitergehen. Muss muss muss.

Kein einziger Tiroler Gedanke, dass man es sich eventuell mit irgendeinem Gast verscherzt haben könnte. Dass die 4000 Klagen von Coronagästen sich irgendwie nachteilig bemerkbar machen könnten. Kaum ist die Quarantäneschranke am Ortseingang weggeräumt, da sollen die Busse wieder kommen, voll mit Gästen. Gerade meinte ein Tiroler Grosshotelier, dem man ins neu renovierte Dampfbad filmte (Gesamtgrösse 2 Meter mal 2 Meter ) „Hier haben normal 8 Gäste Platz vielleicht wenn man dann auf 5 beschränken würde … „

Die schöne Landschaft und die Kühe, die Balkone und vor allem die Busen, die werden das schon wieder richten.

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