Burkaverständnis

Heute war mein erster Tag mit Maske. Jogginghose, Mütze, Handschuhe und Maske, keiner hätte mich erkennen können.

Natürlich ungeschminkt.

Am Anfang war es noch ein bisschen seltsam, heisser unterm Mundschutz, lauter sprechen musste ich in der Apotheke (dafür hab ich den maskierten Apotheker auch nicht verstanden). Aber man gewöhnt sich schnell, besonders wenn die anderen genau so herumlaufen wie man selbst.

Angenehm hingegen ist die Unsichtbarkeit. Und das Ausweichen. Keiner kommt mir zu nahe, keiner schaut mich nett oder blöd an. Keiner fährt mir mit dem Einkaufswagen hinten auf den Schuh. Höflich oder notgedrungen drängelt sich niemand an mir vorbei und schrammt mit seinem Rucksack über mein Kinn.

Das ewige Lächlen hat ein Ende, ich kann unter meiner Maske schauen wie ich will, die anderen sogar mit offenem Mund anstarren. Die ebenfalls maskierten Anderen (Verkäuferinnen, Passantinnen und Rumsteherinnen) lächeln mir vermutlich auch nicht zu. Es sei denn, sie tun es noch automatisch von Vormaskenzeiten her.

Eigentlich ist es richtig toll. Ich kann weder zuviel noch zu wenig geschminkt sein, mein bemütztes Haar kann nicht zu dunkel oder fettig sein, keiner flirtet mich an, keiner wird zudringlich ich bin für alle unsichtbar und nur zum Ausweichen gut. Es ist egal, ob ich modisch schon im Frühjahr 2020 angekommen bin, oder die Wintermode von 1996 auftrage. Ich habe sogar das Gefühl vor Vergewaltigung und Überfall sicher zu sein.

Ich überlege fürderhin Burka zu tragen.

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