14 Tage

Das hat es noch nie – oder schon lange nicht mehr – gegeben. 14 Tage konnte man nicht tun was man wollte, oder eigentlich konnte man tun was man wollte, solange es nicht einkaufen oder arbeiten hiess.

Interessant ist, dass die gewöhnliche Urlaubszeitspanne scheinbar auch die Grenze des Erträglichen ist.

14 Tage

… halten wir mit dem Ehepartner aus
… können wir die Kinder zu Hause ertragen
… müssen wir nicht shoppen wie blöd
… versucht man mit selber kochen zu überleben
… hält die Wirtschaft eventuell durch
… dreht man wegen Einsamkeit nicht durch

Aber jetzt sind die 14 Tage um.

Am lautesten jammern Wirtschaft, Industrie und andere die vom Konsum der Menschen leben. Ihnen ist es einfach lieber, wenn 1.000 – 100.000 Personen weniger einkaufen (weil sie an Corona gestorben sind), als dass ihnen ein wirtschaftlicher Schaden erwächst. Verantwortungslos finden sie Menschenschutz, da es doch darum geht die Wirtschaft zu schützen. Der Schaden sei viel größer, wenn die Menschen jetzt nicht arbeiten und konsumieren wie sonst. Am Ende lässt sich der 14-tägige Shutdown gar nicht mehr aufholen und die wunderbaren Waren verderben (auch wenn es Autos sind) in ihren Regalen.

14 Tage halten diese großen Unternehmen nur durch, und auch nur dann, wenn man ihnen die Last der Gehälter und der Mieten und eigentlich alle anderen Lasten abnimmt. Das unternehmerische Risiko geht sich also auch nur eine Woche aus, dann wird es unterträglich. Ja so ist es, das eingesetzte Kapital muss sich gefälligst jeden Tag rentieren, sonst legt man es lieber zur Not in Gold an.

Ein tolles System haben wir da, oder besser gesagt, ein hübsch fragiles. Nach 14 Tagen steht der Ruin bevor. Kein vernünftiger Normalmensch würde sich so schlecht auf Krisen vorbereiten.

Aber heute sind ja auch Normalmenschen nicht mehr vorbereitet. Kaum hört man, dass man eventuell die nächste Woche nicht einkaufen kann, werden Klopapier und Nudeln gekauft. Trotz vieler ungehörter Tipps, sich doch zumindest einen Monatsvorrat am Lebensnotwendigen zu Hause zu lagern, scheint der Kühlschrank leer zu sein, und auch das Klopapier von permanentem Nachkauf abhängig. Statt Sparbüchern gibt es Leasingautos, statt mit dem Weihnachtsgeld das neue Sofa zu kaufen, steht es schon im März da und wird auf Raten gezahlt. Jeder Euro des Einkommens ist eigentlich schon für Jahre hinaus ausgegeben. Und so ist es ein Drama, wenn einmal 14 Tage nicht alles läuft wie gewohnt.

Delogierung, Konkurs, Selbstmord, Zahlungsunfähigkeit – wo haben wir uns denn da reingewirtschaftet.

Und alle haben mitgespielt. Gut wer noch schnell im Februar die Dividenden ausgeschüttet hat, ab März darf man das nicht mehr, oder zumindest bekommt man dann nicht die volle Förderung.

Früher – und das ist noch keine 30 Jahre her – haben Unternehmer ebenso wie Privatpersonen für schlechte Zeiten, die sie im Gegensatz zu dieser Generation noch kannten, vorgesorgt. Mit Lagerhaltung, Sparbüchern, nicht entnommen Gewinnen und Rücklagen.

Heute geht das maximal 14 Tage, dann ist aber Schluss mit diesen wirtschaftsfeindlichen Beschlüssen, jetzt müssen die Geschäfte wieder aufgehen, es muss wieder ein wenig Wirtschaft blühen, weil das wäre das wirkliche Drama, wenn die ewigen Gewinner nicht weiter Gewinne erwirtschaften könnten, wenn die Milliardäre (und die wenigen Milliardärinnen) nicht täglich in Champagner baden dürften.

Also los, sterben für den Kapitalismus!


One thought on “14 Tage

  1. Österreich unter Corona-Maskenpflicht (ab nächster Woche streng verpflichtend in Supermärkten)

    Heute am Tag 1 im Supermarkt – ach du meine Güte:
    ich bin die einzige Person ohne Maske (echt jetzt) und alle schauen mich vorwurfsvoll an (auch der stark hustende schlecht vermummte), als ob ich Pest und Cholera hätte.

    Kleine Steigerung: an den Kassen höre ich eine besorgte Frau fragen:
    „und was tut man, wenn man es nicht ganz genau hat?“
    Ich rufe hinüber: „Ich runde da immer auf!“

    Aber ich war auch ohne diesen Ausrufer schon nicht sehr geschätzt heute … 1.4.2020@11:30
    (allerdings alles kein Scherz)

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